Posts Tagged ‘Lomonosov Rücken’

Erster Preis für den Wettbewerb Coast Guard Photo 2009


2010
08.01

Die darunter präsentierte Fotografie gewann den 1. Preis im Wettbewerb Coast Guard Photo 2009 (der Gewinner wurde im Juli 2010 genannt). Aufgenommen wurde sie am 5. September 2009 vom Angehörigen der amerikanischen Küstenwache, Petty Officer Patrick Kelley. Bei dieser Gelegenheit muss gesagt werden, dass die US Coast Guard die führende Teilstreitkraft im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko ist. Ohne sie wäre der Druck auf BP viel seichter und der Dreck im Golf viel stärker.
Das Bild zeigt den kanadischen Eisbrecher “Louis S. St-Laurent” (das hintere Schiff), wie er gerade eine Schneise im Eis des Arktischen Ozeans für den zugefrorenen US Coast Guard Kreuzer “Healy” freilegt. Beide Schiffe nahmen an internationalen Messungen des Meeresbodens teil. Ihre Aufgabe war es, Gegenargumente fürs “arktische Monopoly” zu liefern. Genau genommen geht es um den Verlauf der Kontinentalschelfe, allen voran des Lomonosov Rückens. Dieser Schelf wird womöglich bald den politischen Status der Arktis verändern. Näher besprochen wurde das Thema beim Mir-1-Post.

Foto: der kanadische Eisbrecher Louis S. St-Laurent befreit den amerikanischen Küstenwache-Kreuzer Healy, Arktischer Ozean / US Coast Guard, Petty Officer Patrick Kelley

Foto: der kanadische Eisbrecher Louis S. St-Laurent befreit den amerikanischen Küstenwache-Kreuzer Healy, Arktischer Ozean / US Coast Guard, Petty Officer Patrick Kelley

Da der politische Status der Arktis bis heute ungeklärt ist, pochen vor allem Russland und Kanada auf Veränderungen. Beide Staaten schlagen Aufteilung in Sektoren, die zu nationalen Zonen erklärt werden sollen (aufgrund des Verlaufes der Kontinentalsockel). Einen solchen Vorschlag gab es bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Auch Norwegen und Dänemark wollen Ratifizierung der bisherigen Lösung. Mittlerweile erhofft sich auch die EU eigene Anteile an dem Kuchen. Der Streit geht so weit, dass auch China ihren Anspruch auf Arktis erhebt: aufgrund eigener Bevölkerungsdichte und dem daraus interpretiertem “Anspruch”. Momentan beharren die USA am stärksten darauf, das Gebiet weiterhin als international zu belassen. Diese Meinung vertraten sowohl Clinton- wie auch Bush- und Obama-Regierungen. Selbstverständlich passiert es nicht “umsonst”.
Für die USA spielen - mögliche - Gebietsgewinne durch den Anrainerstatus (Alaska) eine untergeordnete Rolle. Verglichen mit den russischen und kanadischen Küstenlinien ist die amerikanische eher klein. Somit würde dem amerikanischen Staat nur eine begrenzte Fläche zufallen. Der Blickpunkt der US-amerikanischen Arktispolitik ist vielmehr auf die Nordost- und die Nordwestpassage gerichtet. Diese Gewässer sollten - nach Ansicht der letzten drei amerikanischen Regierungen - möglich internationalisiert werden, um eine ungehinderte Schifffahrt, aber auch wirtschaftliche Nutzung auf ihnen zu ermöglichen. Russland und Kanada sind am wenigsten mit dieser Lösung einverstanden. Beide Staaten verfahren hier eher nach dem Motto “alles mir”.

Russische Forschung- & Tiefsee-Uboote, damals & heute…


2010
07.16

Höchste Zeit, der Hitze, die Europa gerade zu einer Bratpfanne macht, auszuweichen. Unter Wasser natürlich. Dieses Mal in einem der fünf russischen Forschungsuboote.
Vor kurzem sah ich die sovietischen Briefmarken von 1990 bei ebay.de und erwarb sie. Die erste Briefmarke zeigt das legendäre Boot “Mir 1″, das in der letzten Zeit mehrmals für mediale Schlagzeilen sorgte.
In der zweiten Hälfte der `90 Jahre unternahm damit - als zahlender Passagier und gleichzeitig drehender Regisseur - James Cameron einige Fahrten zum Wrack der RMS Titanic.  Während dieser Tauchgänge entstanden Aufnahmen zu seinem Film Titanic (1997). Im Jahre 2003 machte “Mir 1″ mit seinem Schwesterboot, der “Mir 2″, zwölf Tauchgänge, bei denen ein weiterer Film von Cameron entstand, Ghosts of the Abyss, eine 3D-Titanic-Dokumentation. Dieser Film wurde nur in den IMAX-Kinos gezeigt. Bei diesen Tauchfahrten erreichten die Uboote eine Tiefe von 3.821 Metern. 2002 unternahmen die beiden “Mir” Exkursionen zum Wrack der “Bismarck”. Diese versank im Atlantischen Ozean am 27. Mai 1941, nach einem Gefecht mit britischen Schlachtschiffen “Rodney” und “King George V”. Die “Bismarck” liegt auf der Position 48° 9′ 58″ N, 16° 12′ 0″ W, in knapp 4.700 Meter Tiefe. Mit der Unterstützung der beiden russischen Forschungsuboote produzierte James Cameron die Dokumentation Die Bismarck - Geheimnisvolle Expedition zur deutschen Titanic.

“Mir 1″ sorgte auch danach für Aufregung. Am 2. August 2007 wurde mit dem Greifarm des Ubootes in 4.621 Meter Tiefe die russische Flagge in den Meeresboden unterhalb des geographischen Nordpols gerammt. Mit der ehrgeizigen Expedition wollte Moskau seinen Anspruch auf fast 1,2 Millionen Quadratkilometer Gebiet in der Polarregion stützen, in dem riesige Gas- und Erdölvorkommen vermutet werden. Das Pokerspiel um dieses Gebiet, das über drei Mal so groß wie Deutschland ist, dauert immer noch. Russland muss nachweisen, dass der Lomonosov Rücken, ein unterseeisches Gebirge, die “Verlängerung der eigenen - russischen - Kontinentallandmasse” ist. Damit würde sich das Land den Löwenanteil des Nordpolargebiets sichern können und der in der Tiefe schlummernden Ressourcen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, da das Unterseegebirge nördlich von Sibirien beginnt und nur knapp, ca. 250 Kilometer, an dem Nordpol vorbei bis vor die Nordküste Grönlands führt.

Der letzte mediale Hyperraumsprung der “Mir 1″ war die 2009 unternommene Tauchfahrt zum Boden des Baikalsees.  Man wollte dabei einen neuen Weltrekord im Süßwasser-Tiefseetauchen aufstellen. Medial weckte die Fahrt so viel Aufmerksamkeit, da mit an Bord der russische Ministerpräsident Wladimir Putin war. Nebenbei ging es auch um Wissenschaft: am Boden des Sees lagern angeblich Methanhydrate und diese Stellen sollten untersucht werden.

Beide Mir-Boote sind an Bord des russischen Forschungsschiffs “Akademik Mstislaw Keldysch” stationiert. Zusammen mit ihrem Trägerschiff gehören sie dem russischen Forschungsinstitut P.P. Shirshov Institute of Oceanology of the Russian Academy of Sciences. Dieses, in Deutschland eher als das russische Institut für Arktis- und Antarktisforschung St. Petersburg bekannt, arbeitet eng mit dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel (IFM-GEOMAR) zusammen.
Was kaum jemand weiß, der Bau der beiden “Mir” geht auf die finnisch-sovietische Forschungsarbeit in der Zeit des Kalten Krieges zurück. Beide Boote wurden baugleich in der finnischen Werft Rauma-Repola’s 1987 gebaut. “Mir 1 & 2″ können bin in eine Tiefe von 6.000 Metern tauchen. Damit gehören sie einem exklusiven Klub an, den weltweit schaffen es nur sieben Forschungsuboote. Dazu zählen die amerikanischen Uboote “Alvin“, “Sea Cliff” und “Deepstar 20000″, das japanische “Shinkai 6500” und das französische “Nautile“. “Shinkai 6500″ ist dabei der Lieder der Truppe; er erreichte die Meerestiefe, die in seinem Namen beinhaltet ist (Deepstars “20.000″ beziehen sich auf den Fuß-Längenmaß). 98% der weltweiten Meeresböden liegen unterhalb der 6.000-Meter-Marke.
Jeder der glorreichen sieben kann nur drei Personen an Bord nehmen und jedes der Boote unternahm bisher um die 1000 Tauchfahrten.

Auf den Briefmarken werden außerdem die älteren sovietischen Forschungsuboote abgebildet: Paisis, Tinro 2, Argus und Sievier 2.
Gute Abkühlung wünscht Leo…