Posts Tagged ‘Grönland’

Ein ESA-Auge über dem Meer… (Fortsetzung folgt)


2010
08.09

Es ist ein neuer Zyklus auf 4mare.com. Ein Blick auf Meere mithilfe eines Satelliten. Und dennoch eines besonderen: des europäischen ESA Envisat.
Ozeane rückten näher in unseres Bewusstsein spätestens dann, als die Satelliten ihre Bilder der Erde “von draußen” lieferten. Erst da wurde “der blaue Planet” geboren. Erst da wurde wirklich wahrgenommen, dass die Ozeane größer sind, als die Landmassen der Kontinente. Man schwärmt zwar oft bei Dokumentationen, die mithilfe der NASA entstanden,  vergisst jedoch dabei, dass die europäische ESA nicht weniger leistet. Und auf ihre Leistung kann man durchaus stolz sein.

Foto: Petermann Gletscher bricht ab, ein gigantischer Eisberg entsteht / Envisat ESA

Foto: Petermann Gletscher bricht ab, ein gigantischer Eisberg entsteht / Envisat ESA

Anfang August 2010 funkte Envisat atemberaubende Aufnahmen der Arktis zur Erde. Es ist der äußerst seltene Moment der Geburt eines Giganten. Ein Teil des Petermann Gletschers - im nordwestlichen Grönland -  bricht gerade ab und wird zum gigantischen Eisberg. Dieser macht sich über die Nares-Straße (Nares Strait) auf den Weg zum Arktischen Ozean.
Petermann Gletscher gehört zu den größten Gletschern Grönlands. Da er das legendäre Inlandeis der Insel mit dem Arktischen Ozean verbindet, gehört er gleichzeitig zum “Abfluss-System” des Inlandeises. Gletscher vergleichbarer Größe gleiten weit ins Meer und bilden sogenannte “Eiszungen”. Anfang August war die Eiszunge des Petermanns knapp 70 Kilometer lang. Der abgebrochene Riese ist 30 Kilometer lang und beinahe 14 Kilometer breit. Seine Fläche beträgt 245 Quadratkilometer.
Nares-Straße trennt Grönland von der kanadischen llesmere Island und verbindet gleichzeitig die Lincolnsee im Arktischen Ozean mit der Baffin-Bucht (Baffin Bay, auch Baffinbai oder (dän.) Baffin Bugten). Diese Wasserstraße ist für die normale Schifffahrt äußerst riskant, jedoch in den Monaten August und September - je nach Eislage - mit Eisbrechern befahrbar.

Die Animation basiert auf Bildern des Envisat Advanced Synthetic Aperture Radar (ASAR), die am 31. Juli, 4. und 7. August 2010 aufgenommen wurden. Ein vergleichbares Kalben eines Gletschers wurde an derselben Stelle zuletzt vor beinahe 19 Jahren wahrgenommen. Die damaligen Aufnahmen wurden am 19. August 1991 vom ERS-1 SAR geschossen.

Russische Forschung- & Tiefsee-Uboote, damals & heute…


2010
07.16

Höchste Zeit, der Hitze, die Europa gerade zu einer Bratpfanne macht, auszuweichen. Unter Wasser natürlich. Dieses Mal in einem der fünf russischen Forschungsuboote.
Vor kurzem sah ich die sovietischen Briefmarken von 1990 bei ebay.de und erwarb sie. Die erste Briefmarke zeigt das legendäre Boot “Mir 1″, das in der letzten Zeit mehrmals für mediale Schlagzeilen sorgte.
In der zweiten Hälfte der `90 Jahre unternahm damit - als zahlender Passagier und gleichzeitig drehender Regisseur - James Cameron einige Fahrten zum Wrack der RMS Titanic.  Während dieser Tauchgänge entstanden Aufnahmen zu seinem Film Titanic (1997). Im Jahre 2003 machte “Mir 1″ mit seinem Schwesterboot, der “Mir 2″, zwölf Tauchgänge, bei denen ein weiterer Film von Cameron entstand, Ghosts of the Abyss, eine 3D-Titanic-Dokumentation. Dieser Film wurde nur in den IMAX-Kinos gezeigt. Bei diesen Tauchfahrten erreichten die Uboote eine Tiefe von 3.821 Metern. 2002 unternahmen die beiden “Mir” Exkursionen zum Wrack der “Bismarck”. Diese versank im Atlantischen Ozean am 27. Mai 1941, nach einem Gefecht mit britischen Schlachtschiffen “Rodney” und “King George V”. Die “Bismarck” liegt auf der Position 48° 9′ 58″ N, 16° 12′ 0″ W, in knapp 4.700 Meter Tiefe. Mit der Unterstützung der beiden russischen Forschungsuboote produzierte James Cameron die Dokumentation Die Bismarck - Geheimnisvolle Expedition zur deutschen Titanic.

“Mir 1″ sorgte auch danach für Aufregung. Am 2. August 2007 wurde mit dem Greifarm des Ubootes in 4.621 Meter Tiefe die russische Flagge in den Meeresboden unterhalb des geographischen Nordpols gerammt. Mit der ehrgeizigen Expedition wollte Moskau seinen Anspruch auf fast 1,2 Millionen Quadratkilometer Gebiet in der Polarregion stützen, in dem riesige Gas- und Erdölvorkommen vermutet werden. Das Pokerspiel um dieses Gebiet, das über drei Mal so groß wie Deutschland ist, dauert immer noch. Russland muss nachweisen, dass der Lomonosov Rücken, ein unterseeisches Gebirge, die “Verlängerung der eigenen - russischen - Kontinentallandmasse” ist. Damit würde sich das Land den Löwenanteil des Nordpolargebiets sichern können und der in der Tiefe schlummernden Ressourcen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, da das Unterseegebirge nördlich von Sibirien beginnt und nur knapp, ca. 250 Kilometer, an dem Nordpol vorbei bis vor die Nordküste Grönlands führt.

Der letzte mediale Hyperraumsprung der “Mir 1″ war die 2009 unternommene Tauchfahrt zum Boden des Baikalsees.  Man wollte dabei einen neuen Weltrekord im Süßwasser-Tiefseetauchen aufstellen. Medial weckte die Fahrt so viel Aufmerksamkeit, da mit an Bord der russische Ministerpräsident Wladimir Putin war. Nebenbei ging es auch um Wissenschaft: am Boden des Sees lagern angeblich Methanhydrate und diese Stellen sollten untersucht werden.

Beide Mir-Boote sind an Bord des russischen Forschungsschiffs “Akademik Mstislaw Keldysch” stationiert. Zusammen mit ihrem Trägerschiff gehören sie dem russischen Forschungsinstitut P.P. Shirshov Institute of Oceanology of the Russian Academy of Sciences. Dieses, in Deutschland eher als das russische Institut für Arktis- und Antarktisforschung St. Petersburg bekannt, arbeitet eng mit dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel (IFM-GEOMAR) zusammen.
Was kaum jemand weiß, der Bau der beiden “Mir” geht auf die finnisch-sovietische Forschungsarbeit in der Zeit des Kalten Krieges zurück. Beide Boote wurden baugleich in der finnischen Werft Rauma-Repola’s 1987 gebaut. “Mir 1 & 2″ können bin in eine Tiefe von 6.000 Metern tauchen. Damit gehören sie einem exklusiven Klub an, den weltweit schaffen es nur sieben Forschungsuboote. Dazu zählen die amerikanischen Uboote “Alvin“, “Sea Cliff” und “Deepstar 20000″, das japanische “Shinkai 6500” und das französische “Nautile“. “Shinkai 6500″ ist dabei der Lieder der Truppe; er erreichte die Meerestiefe, die in seinem Namen beinhaltet ist (Deepstars “20.000″ beziehen sich auf den Fuß-Längenmaß). 98% der weltweiten Meeresböden liegen unterhalb der 6.000-Meter-Marke.
Jeder der glorreichen sieben kann nur drei Personen an Bord nehmen und jedes der Boote unternahm bisher um die 1000 Tauchfahrten.

Auf den Briefmarken werden außerdem die älteren sovietischen Forschungsuboote abgebildet: Paisis, Tinro 2, Argus und Sievier 2.
Gute Abkühlung wünscht Leo…