Osama bin Laden: Seebestattung im Arabischen Meer

2011
05.05

Osama Bin Laden ist tot. Nach einer zehnjährigen Jagd wurde der Topterrorist von einem Team der Navy SEALs in Abbottabad, einer Stadt zirka fünfzig Kilometer nordöstlich von Islamabad in der pakistanischer Provinz Khyber Pakhtunkhwa, gestellt und getötet. Nach der Identifizierung wurde der Leichnam auf die “USS Carl Vinson” gebracht, einen atomaren US-Flugzeugträger. Das Deck des Kriegsschiffes wurde zum Ort, an dem die letzte Reise für Osama Bin Laden begann.
Da ein Moslem innerhalb von 24 Stunden nach seinem Ableben bestattet werden sollte, entschloss sich die US-Regierung für eine Seebestattung. Zwei weitere Gründe, die auch dabei genannt werden, scheinen plausibel und nicht weniger wichtig zu sein: einerseits gab es keinen Staat, der bereit war, Bin Ladens Leichnam auf eigenem Territorium bestatten zu lassen. Andererseits befürchtete man, ein solches (Land-)Grab könnte für Anhänger und Al-Qaida-Sympathisanten zu einer ungewollten Pilgerstätte werden.
Jim Garamone zufolge (American Forces Press Service) erhielt der gefürchtete Saudi ein Begräbnis, das “im Einklang mit den muslimischen Praktiken und Traditionen” durchgeführt wurde. Sein Körper wurde gewaschen, danach in ein weißes Laken gewickelt und anschließend in einen beschwerten Sack gesteckt.
Während dieses Rituals habe ein Militär-Offizieller religiöse Schriften gelesen. Diese Sätze wurden von einem Muttersprachler auf Arabisch nachgesprochen. Nach der Lesung wurde der Körper auf ein zuvor vorbereitetes flaches Brett gelegt. Das Brett wurde dann gekippt, der Körper glitt ins Wasser.
Der Ort bleibt wohl ein Geheimnis, Osama bin Laden wurde irgendwo im nördlichen Arabischen Meer versenkt.

Foto: Ein Team der US Navy SEAL in Oktober 2010 / U.S. Navy, Mass Communication Specialist 3rd Class Blake Midnight

Foto: Ein Team der US Navy SEAL in Oktober 2010 / U.S. Navy, Mass Communication Specialist 3rd Class Blake Midnight

Mittlerweile melden sich Islamexperten zu Wort, die die Entscheidung, bin Laden auf See zu bestatten, mal milder mal schärfer kritisieren. Angeblich entspreche diese nicht der islamischen Tradition. Dies tut sie durchaus, immerhin gab es unter den Arabern bedeutende Seeleute und Entdecker, die sich auf dem Indischen Ozean austobten. Schon früher musste somit die Frage einer Seebestattung durchdacht und gewissermaßen “gelöst” werden. Das heutige Expertetum beruft sich darauf, ein auf dem Land verstorbener darf nicht auf See bestattet werden (dies sei angeblich nicht mit dem islamischen Recht in Deckung zu bringen). Man vergisst wohl Fälle, in denen jemand in der Fremde verstarb und aufgrund feindlicher oder sonstiger politischer Umstände nicht in demselben Land begraben werden wollte. Eine Seerückreise war dafür möglicherweise zu lang und die erwähnten 24 Stunden ab dem Tod sprachen auch für eine andere Lösung.
Es sind wohl die medialen 5 Minuten eines solchen Experten, der diese gerne wahrnimmt. Kaum jemand wird ernsthaft bestreiten, dass uns das fehlende Grab eines Adolf Hitlers einiges an unangenehmen und zutiefst fragwürdigen Situationen ersparte. Bin Laden war zuallererst ein Terrorist, möglicherweise der Terrorist schlechthin, erst danach war er – wenn überhaupt – ein Muslim.
Gab es in Fällen der NS-Verbrecher auch solche christlichen Fragestellungen und Überlegungen in der Presse? Jeder, der schon mal einer Seebestattung beiwohnen durfte, weißt, dass diese nicht weniger respektvoll ist, als ein zu Lande abgehaltenes Ritual. Somit zollte sie dem Mann mehr Respekt, als er es vermutlich verdiente.

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8 Responses to “Osama bin Laden: Seebestattung im Arabischen Meer”

  1. gerd sagt:

    Da ist was dran. Manche Kommentatoren sind nicht weit davon entfernt, den Mann als eine Art Held zu betrachten. In Deutschland erschießt die Polizei beinahe jeden bewaffneten Bank-Räuber, Osama dafür sollte anscheinend Platz in einem SPA bekommen.

  2. tim sagt:

    Kritik kommt natürlich am Stärksten aus Deutschland, dessen “Alleskönner” nicht mal den damals entführten Hansa Stavanger befreien konnten. In einer solchen Situation, mitten im “Feindesgebiet” (immerhin eine ausländische Stadt) hätten sie sicherlich Osama auf einen Tee nach Deutschland einladen können… Ja, ja, wir sollen weiterhin Leute anwerben, die Angst vor der Takelage haben, AK-Logos auf ihre Ausrüstung aufsprayen, die halt alles gerne machen, bloß mit einem “aber” am Ende: dann gelingt es uns auch, jede schwierige Lage ins Lot zu bringen.
    Ich find, die SEALs haben einfach einen guten Job gemacht.

  3. Arttu sagt:

    Einen Weltverbesserer weniger. SEALs rulez.

  4. karl sagt:

    Seh ich auch so, wie meine Vorgänger. Deutschland ist weit davon entfernt, erklärtes Anschlagziel der Al Qaida zu sein. USA haben sich über 10 Jahre lang konkret bedroht gefühlt und erleben jetzt, wie Ihnen ein Stein vom Herzen fällt. Eine nachvollziehbare “Erleichterung”, die in ihren Medien zu sehen und zu verstehen ist.
    Ich möchte gerne wissen, was all diese Besserwisser bei uns sagen würden, würde der Reichstag oder oder paar der Bankgebäuden in Frankfurt auseinander fallen, mithilfe eines Attentats.
    Beschämend, wie weit wir gehen können, wenn es heißt, Deutschland wisse wieder einmal besser, wie es hätte gemacht werden sollen.

  5. andreas sagt:

    Tja, das vermisse ich eben. Hin und wieder ein Kommentar, das die Sache ohne Umschweifen benennt. Der Mann war ein Verbrecher, spätestens ab dem Tag, an dem er die Verantwortung für ganz bestimmte Attentate übernahm. Ich kann mir auch keine “bessere” Zeremonie für ihn vorstellen. Amerikaner hätten ihn genauso gut irgendwo vergraben können.

  6. Claus sagt:

    SEALs machten das, was als good job zu bezeichnen wäre. Gott sei Dank ist dieses Problem aus der Welt.

  7. alfred sagt:

    Manche mögen sagen: Obama machte Osama kalt. Ich für mich bin froh, dass es den Typ nicht mehr gibt. Gleichzeitig verzichte ich auf das Einlenken unserer Medien, die es erst raffen, wenn es bei uns kracht.

  8. jens sagt:

    Applaus! Gott sei Dank, gibt es immer noch Journalisten, die die sprichwörtlichen E..r haben. Seit einer Woche hab ich das Gefühl zumindest auf dem Mars gelandet zu sein. Wenn es nach manchen Deutschen ginge, bekäme Osama wohl den Friedensnobelpreis.

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