Die Lage auf der koreanischen Halbinsel nimmt bedrohliche Züge an. Alles fing an mit der südkoreanischen Korvette “Cheonan” (PCC-772) der Pohang-Klasse, die am 26. März 2010 nahe der Baengnyeong-Insel im Gelben Meer unter zunächst ungeklärten Umständen sank. Man ging von einer Außenexplosion aus; alle Meldungen, es handelte sich um einen Torpedoangriff, wurden jedoch unmittelbar nach dem Unglück dementiert. Auch die Regierung Nordkoreas bestritt die vorgeworfene Beteiligung.
Mittlerweile machte die südkoreanische Untersuchungskommission offiziell Nordkorea für die Versenkung des Kriegsschiffs verantwortlich. An der Arbeit der Kommission beteiligten sich auch unabhängige Spezialisten aus den USA, Australien, Großbritannien und Schweden. Der Untersuchung zufolge sei die “Cheonan” eindeutig von einem nordkoreanischen CHT-02D-Torpedo versenkt worden, abgeschossen von einem nordkoreanischen Mini-Uboot der Yeono-Klasse. Dafür sprechen die Funde von RDX, einer besonderen Art Sprengstoff, Teilen des Motors und der Steuerelektronik, sowie einem großen Teil des Propellers eines Torpedos.
Am 15. April wurde das Heck des Schiffes geborgen. In den Trümmern befanden sich 36 Leichen südkoreanischer Seeleute. Am 24. April wurde der Bug der Korvette von einem Schwimmkram gehoben. Bei der Versenkung kamen insgesamt 46 Menschen ums Leben.

Foto: der geborgene Bug der "Cheonan" / Ki Geum Sung
Die Kommission kam zu dem Schluss, dass die Waffe von einem nordkoreanischen U-Boot aus abgefeuert wurde. Überreste eines nordkoreanischen Torpedos wurden in der Nähe des Untergangortes gefunden und konnten eindeutig mit einem Torpedo nordkoreanischer Bauart verglichen werden, der vor sieben Jahren sichergestellt worden sei. Südkoreas Präsident Lee Myung Bak warf dem Nachbarland eine “militärische Provokation” vor. Gleichzeitig kündigte er scharfe Schritte gegen Nordkorea an. Auch der US-Präsident, Barak Obama, warf dem kommunistischen Land inakzeptables Verhalten vor. Ein Sprecher des Weißen Hauses drückte sich etwas deutlicher aus und sprach vom Akt der Aggression.
Einer nordkoreanischen Dissidentengruppe zufolge, versetzte der Diktator Kim Jong Il die Streitkräfte seines Landes in Kampfbereitschaft als seine Antwort auf die “Vorwürfe”.

Foto: Auszug aus dem offiziellen Untersuchungsbericht / Ministry of National Defence
Die nordkoreanische Nationale Verteidigungskommission teilte zusätzlich mit: Der totale Krieg, den wir unternehmen werden, wird ein Heiliger Krieg sein, der die gesamte Nation, das gesamte Volk und den gesamten Staat einschließt.
Auch die internationale Gemeinschaft wird wohl auf den Angriff reagieren müssen. Der australische Premier Kevin Rudd sagte: Die Ermittlungskommission hat schlüssige Beweise gesammelt, dass die Cheonan von einem in Nordkorea hergestellten Torpedo versenkt wurde. Fragmente des letzten wurden auf dem Meeresboden am Ort des Vorfalls gefunden. Diese feindselige und unprovozierte Handlung stellt eine eklatante Verletzung der Charta der Vereinten Nationen und des koreanischen Waffenstillstandsabkommens von 1953 durch Nordkorea dar. Die internationale Gemeinschaft kann nicht zulassen, diesen Vorfall ohne eine angemessene Reaktion zu belassen. Die australische Regierung arbeitet eng mit Südkorea und anderen Partnern zusammen und berät darüber, wie zu reagieren ist. Dies beinhaltet auch Maßnahmen des UN-Sicherheitsrates.
Die beiden koreanischen Staaten befinden sich seit dem Waffenstillstand von 1953 immer noch offiziell im Kriegszustand. An der Seegrenze hat es in der Vergangenheit immer wieder Gefechte gegeben.
Der offizielle Bericht zum Untergang der “Cheonan” (en)




