Archive for Mai, 2010

Der Schatten der “Cheonan”


2010
05.25

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel nimmt bedrohliche Züge an. Alles fing an mit der südkoreanischen Korvette “Cheonan” (PCC-772) der Pohang-Klasse, die am 26. März 2010 nahe der Baengnyeong-Insel im Gelben Meer unter zunächst ungeklärten Umständen sank. Man ging von einer Außenexplosion aus; alle Meldungen, es handelte sich um einen Torpedoangriff, wurden jedoch unmittelbar nach dem Unglück dementiert. Auch die Regierung Nordkoreas bestritt die vorgeworfene Beteiligung.

Mittlerweile machte die südkoreanische Untersuchungskommission offiziell Nordkorea für die Versenkung des Kriegsschiffs verantwortlich. An der Arbeit der Kommission beteiligten sich auch unabhängige Spezialisten aus den USA, Australien, Großbritannien und Schweden. Der Untersuchung zufolge sei die “Cheonan” eindeutig von einem nordkoreanischen CHT-02D-Torpedo versenkt worden, abgeschossen von einem nordkoreanischen Mini-Uboot der Yeono-Klasse. Dafür sprechen die Funde von RDX, einer besonderen Art Sprengstoff, Teilen des Motors und der Steuerelektronik, sowie einem großen Teil des Propellers eines Torpedos.

Am 15. April wurde das Heck des Schiffes geborgen. In den Trümmern befanden sich 36 Leichen südkoreanischer Seeleute. Am 24. April wurde der Bug der Korvette von einem Schwimmkram gehoben. Bei der Versenkung kamen insgesamt 46 Menschen ums Leben.

Foto: der geborgene Bug der Cheonan / Ki Geum Sung

Foto: der geborgene Bug der "Cheonan" / Ki Geum Sung

Die Kommission kam zu dem Schluss, dass die Waffe von einem nordkoreanischen U-Boot aus abgefeuert wurde. Überreste eines nordkoreanischen Torpedos wurden in der Nähe des Untergangortes gefunden und konnten eindeutig mit einem Torpedo nordkoreanischer Bauart verglichen werden, der vor sieben Jahren sichergestellt worden sei. Südkoreas Präsident Lee Myung Bak warf dem Nachbarland eine “militärische Provokation” vor. Gleichzeitig kündigte er scharfe Schritte gegen Nordkorea an. Auch der US-Präsident, Barak Obama, warf dem kommunistischen Land inakzeptables Verhalten vor. Ein Sprecher des Weißen Hauses drückte sich etwas deutlicher aus und sprach vom Akt der Aggression.
Einer nordkoreanischen Dissidentengruppe zufolge, versetzte der Diktator Kim Jong Il die Streitkräfte seines Landes in Kampfbereitschaft als seine Antwort auf die “Vorwürfe”.

Foto: Auszug aus dem offiziellen Untersuchungsbericht / Ministry of National Defence

Foto: Auszug aus dem offiziellen Untersuchungsbericht / Ministry of National Defence

Die nordkoreanische Nationale Verteidigungskommission teilte zusätzlich mit: Der totale Krieg, den wir unternehmen werden, wird ein Heiliger Krieg sein, der die gesamte Nation, das gesamte Volk und den gesamten Staat einschließt.

Auch die internationale Gemeinschaft wird wohl auf den Angriff reagieren müssen. Der australische Premier Kevin Rudd sagte: Die Ermittlungskommission hat schlüssige Beweise gesammelt, dass die Cheonan von einem in Nordkorea hergestellten Torpedo versenkt wurde. Fragmente des letzten wurden auf dem Meeresboden am Ort des Vorfalls gefunden. Diese feindselige und unprovozierte Handlung stellt eine eklatante Verletzung der Charta der Vereinten Nationen und des koreanischen Waffenstillstandsabkommens von 1953 durch Nordkorea dar. Die internationale Gemeinschaft kann nicht zulassen, diesen Vorfall ohne eine angemessene Reaktion zu belassen. Die australische Regierung arbeitet eng mit Südkorea und anderen Partnern zusammen und berät darüber, wie zu reagieren ist. Dies beinhaltet auch Maßnahmen des UN-Sicherheitsrates.
Die beiden koreanischen Staaten befinden sich seit dem Waffenstillstand von 1953 immer noch offiziell im Kriegszustand. An der Seegrenze hat es in der Vergangenheit immer wieder Gefechte gegeben.

Der offizielle Bericht zum Untergang der “Cheonan” (en)

Fregatte SACHSEN in Gdynia


2010
05.19

Der Besuch der Fregatte „Sachsen“ (F 219) in Gdynia (Gdingen), in den Tagen 14-17. Mai, war sehr erfolgreich, bedenkt man, dass das Schiff eher inoffiziell in den polnischen Hafen einlief. Die an Bord von mir bestellten und vom Flottenkommando genehmigten Journalisten waren begeistert. Das Schiff, allem voran jedoch die Besatzung machten großen Eindruck. Tomasz Złotoś, Reporter des öffentlich-rechtlichen Fernsehen TVP Gdańsk meinte am Ende „Man hätte keinen besseren emotionalen Eisbrecher hierher schicken können. Dieser Besuch ist ein großer Schritt vorwärts in unserer nachbarschaftlichen Beziehung. Ich erwartete durchaus eine – gemessen an diesem Schiff – elitäre Crew. Aber so offene, herzliche und gleichzeitig professionelle Besatzung traf ich auf keinem NATO-Schiff, das diesen Hafen einlief.“
Auch die anderen fanden bemerkenswerte Lobesworte. Krystyna Romanowska, Psychologie-Redakteurin des exklusiven Frauenmagazins „Elle Poland“, die mit Soldatinnen der „Sachsen“ ein Interview machte, sagte am Ende die ganze Besatzung meinend: „Sie haben alle aus eigener Sanftmut ungeheure Stärke geschmiedet!“ Sie muss es wissen. Jahrelang begleitete sie journalistisch die polnische Marine, bevor diese der NATO beitrat. Sie arbeitete in den 90. Jahren als KFOR-Berichterstatterin in Kosovo, besuchte später regelmäßig norwegische, französische und britische Marinen und schrieb darüber. Der dreistündige Besuch der Journalisten gipfelte in einem Mittagsessen in der Offiziersmesse.

Foto: Fregatte SACHSEN in Gdingen / Leo Walotek-Scheidegger

Foto: Fregatte SACHSEN in Gdingen / Leo Walotek-Scheidegger

Nachdem der offizielle Teil vorbei war, wurden der Kommandant, FKpt. Markus Nolte und sein I. Offizier, KKpt. Sven Beck unter meine und meiner Lebensgefährtin Fittiche genommen: wir zeigten ihnen Danziger Altstadt und Zoppot, die Geburtsstadt von Klaus Kinski. Während der Kommandant, ein frankophiler Mensch durch und durch, sich mit Krystyna auf Französisch unterhielt, blieben wir mit Herrn Beck bei der Muttersprache. Der Tag endete mit einem Abendmahl in einem Danziger Restaurant. Durchaus fand hier eine Prämiere statt: 26 deutsche Offiziere in Uniform unter Polen. Während des Abendessens wurden zwei Offiziere, die demnächst vom Bord gehen, mit Würde und Anerkennung verabschiedet. Dies waren KptLt. Robert Steinborn, der auf die „Gorch Fock“ wechselt und der Franzose, KptLt. (EV1) Francois-Xavier Pinget, der von allen liebevoll „Franz“ genannt wurde und der zur französischen Marine zurückkehrt.

Foto: Der Bordhubschrauber SEA LYNX MK 88A, Fregatte SACHSEN, Gdynia (Gdingen) / Leo Walotek-Scheidegger

Foto: Der Bordhubschrauber Sea Lynx MK 88A auf der Fregatte SACHSEN, Gdynia (Gdingen) / Leo Walotek-Scheidegger

Fregattenkapitän Markus Nolte sagte mir beim Abschied: „Die „Sachsen“ hat an diesem Wochenende, glaube ich, ihre Aufgabe als Botschafter unseres Landes in Polen sehr erfolgreich ausgefüllt und ist dem deutsch-polnischen gegenseitigen Verständnis nützlich gewesen“.
Ich würde sagen: mehr als das! Schon am Samstag wurde die Fregatte landesweit in den Nachrichten gezeigt, umrahmt von einem lobenden Kommentar. Pressebeiträge zu „Sachsen“ erscheinen in Polen in den kommenden Wochen.
Der TVP-Beitrag von Tomasz Złotoś ist unter dem Link zu sehen (ab der fünften Minute (05:05) kommt die “Sachsen”).

Die letzte Hoffung


2010
05.13

Zwar passiert - im maritimen Sinne des Wortes- momentan viel auf der Welt: eine der wichtigsten wie tragischsten Ereignisse ist dabei die Ölpest im Golf von Mexico. Dennoch, vor meiner Reise nach Gdynia (Gdingen), wo ich die Fregatte “Sachsen” begrüßen werde, möchte ich all die Themen beiseite schieben, und…  ein wenig über “die letzte Hoffnung” nachgrübeln.

Im Film sieht es immer so cool aus. Action und gelungene Aufnahmen sind da zuerst gefragt. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Fischer, ein Segler in den Himmel schaut und seine letzte Hoffnung ankommen sieht. Was muss das für ein Gefühl sein, soeben das eigene Schiff verlassen zu haben, sich im kühlen Wasser des Nordpazifik zu befinden, und zu wissen, dass es nur noch eine… düne rote Line zwischen einem selbst und der Ewigkeit gibt?
Der Fischer, der verzweifelt in seinem Rettungsanzug kämpft, um sich auf das von einer HC-130 Hercules abgeworfene Rettungsfloß zu hieven und der rote MH-60 Jayhawk, der ihn bergen wird. Mir kommen unweigerlich Rudyard Kiplings Zeilen in den Sinn:

Well it’s Tommy this and Tommy that
And Tommy how’s your soul?
But it’s the thin red line of heroes
When the drums begin to roll

Foto: Ein MH-60 Jayhawk setzt zur Rettung an / Petty Officer 1st Class Sara Francis

Foto: Ein MH-60 Jayhawk setzt zur Rettung an / Petty Officer 1st Class Sara Francis

Die Rettungsaktion wurde am 20. April dieses Jahres im Golf von Alaska durchgeführt. Auf dem Bild sieht man den Jayhawk der USCG zur Bergung eines Mannes ansetzten, während dieser versucht, ins Innere des Rettungsfloßes zu klettern.  Vier Männer der fünfköpfigen Besatzung des Fischkutters “Northern Belle” waren gezwungen Hals über Kopf das eigene Schiff zu verlasen, als dieses anfing, im rapidem Tempo zu sinken. Der Kapitän sandte das Notsignal “Mayday”, was seinen Männern das Leben rettete. Er selbst schaffte es nicht mehr und ging mit dem Trawler unter. Die unglaubliche Leistung des Rettungsschwimmers ist hier zu sehen: USCG-Movie.

Fregatte “Sachsen” in Gdynia (Gdingen)


2010
05.12

In den Tagen 14-17. Mai besucht Fregatte “Sachsen” (F 219) den polnischen Hafen Gdynia (Gdingen). In dieser Zeit wird sie vom polnischen TV-Sender TVP Gdańsk, so wie von einigen Pressejournalisten besucht, die mehr über das Schiff und die Crew erfahren und darüber in den polnischen Medien berichten wollen.
Es ist mir eine Ehre, den Kommandanten, Fregattenkapitän Markus Nolte, und seine Offiziere auf einen Spaziergang durch die Danziger Altstadt mitnehmen zu dürfen.

Foto: Fregatte Sachsen in in Wilhelmshaven / Leo Walotek-Scheidegger

Foto: Fregatte "Sachsen" in Wilhelmshaven, ihrem Heimathafen / Leo Walotek-Scheidegger

Das Schiff wurde im November 2004 - mit Heimathafen Wilhelmshaven - offiziell in Dienst gestellt. 2007 war “Sachsen” Mitglied der Standing NATO Maritime Group 1 (SNMG 1).
2009, was nicht jeder weiß, nahm die “Sachsen” vor der Küste Floridas an der Übung UNITAS teil. Während dieser beteiligte sie sich am 29. April an der Versenkung des Zerstörers USS Conolly (DD-979). An der Übung nahmen außer ihr einige Helikopter, die USS Oscar Austin (DDG-79), die USS Donald Cook (DDG-75) und die Fregatte Lübeck (F 214) teil.

Des Admirals Großer Zapfenstreich


2010
05.05

Am 30. April verabschiedete feierlich Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den bisherigen Inspekteur Vizeadmiral Wolfgang E. Nolting aus dem Amt. Die Zeremonie, der ich auch beiwohnte, fand in der Flensburger Marineschule Mürwik statt. Das Kommando über die Marine würde an den neuen Inspekteur der Marine, Konteradmiral Axel Schimpf, übergeben.
Vizeadmiral Wolfgang E. Nolting, wurde an dem Abend mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. Nolting geht nach 43 Dienstjahren - davon vier Jahre als Inspekteur der Marine - in den Ruhestand. Der Einfluss des Admirals auf die Marine wurde sichtbar in Guttenbergs Worten. Er lobte den 62-Jährigen als einen “Es ist mir eine Ehre, eine echte Legende verabschieden zu dürfen. Ich durfte die wenigen Monate mit ihm einen Admiral erleben, wie er im Buche steht“. Nolting habe Maßstäbe für die Marine im Einsatz gesetzt.
Diese Worte sind kaum eine Übertreibung. Vizeadmiral Nolting  hat immer wieder maritime Themen in den Fokus der Öffentlichkeit und der Politik gerückt. Des Öfteren sprach er Punkte an, die andere nicht einmal in der heutigen Zeit für real hielten. So warnte er als einer der ersten in Deutschland vor einer Bedrohung der Seewege durch Piraterie, als viele noch darüber lächelten. Auch dies fand sich in der Rede des Ministers wieder.
Vizeadmiral Nolting betonte selbst in seiner Abschiedsrede vor rund 500 Gästen, Sorgen bereite ihm vor allem die materielle Ausstattung der Marine. Es fehle oft an Ersatzteilen. Zwar müsse die Marine die Konsolidierung der Bundeswehr mittragen, sie sollte dennoch als Teilstreitkraft auf ihre künftigen Aufgaben vorbereitet werden.

In der späteren Rede des Ministers, vor einem eher geschlossenem Publikum, wurde der Werdegang des Admirals mit einer guten Priese Humor unter die Lupe genommen (und dem Publikum preisgegeben). Hier glänzten sowohl der Minister, wie auch der “Abgänger”. Selbst in den privaten Gesprächen danach wurde es immer wieder - auch international - sichtbar. Hier ging es um den Lebensweg eines ungewöhnlichen Mannes.
Vizeadmiral Nolting unterstrich in eigenen Worten die Kompetenz, Bereitschaft und Professionalität der ihn begleitenden Offiziere, ohne die seine Arbeit nicht mit einem solchen Erfolg hätte beendet werden können.
Seine Worte machen Mut. Denn es wird der Marine in Zukunft sicherlich an Aufgaben nicht fehlen.