Ostsee retten? Wie schaffen wir es?

2011
12.12

Eutrophierung - Überdüngung von Gewässern mit Pflanzennährstoffen - findet meistens in langsam fließenden oder stehenden Gewässern statt. Durch menschliche Eingriffe kann sie jedoch zur ernsthaften Gefahr für weit größere Wasserreservoirs werden: Für Meere. Aktuell ist Eutrophierung das größte ökologische Problem in der gesamten Ostsee. Was steht dahinter? Stickstoffverbindungen und Phosphate: Diese gehen grundsätzlich auf  Düngemitteln und Abwasser aus dem kommunalen Bereich zurück (Exkremente, Waschmittel). Lösung dieses Problems wird erschwert durch komplexe ökologische Merkmale, gesellschaftliche Unterschiede zwischen den jeweiligen Ostsee-Anrainerstaaten und, last but not least, ihre Vielzahl. Die Ostsee-Akteure sind schwer - was die Eutrophierung angeht - an einen Tisch zu bringen. Was das jedes Jahr in Praxis bedeutet, zeigt folgende Aufnahme des ESA-Satelliten Envisat:

Foto: extreme Algenblüte in der Ostsee, 2010 / Envisat MERIS, ESA

Foto: extreme Algenblüte in der Ostsee, 2010 / Envisat MERIS, ESA

Das Finnische Institut für Internationale Angelegenheiten  - FIIA - veröffentlichte einen FIIA-Bericht über die gesellschaftlichen Herausforderungen bei der Eutrophierung-Prävention in der Ostsee. Das ultimative Ziel des PROBALT-Berichtes ist es, Ostseeschutz - in Bezug auf Eutrophierung -  ins reale Leben zu holen.
Um unser Hausmeer effektiver zu schützen, muss auf nationaler, regionaler aber auch auf der EU-Ebene Klartext gesprochen werden. Die wahren Ursachen sind auf dem Land auszumachen, nicht auf dem Meer. Es wird oft und gerne darüber geschrieben, dass der schlechte Zustand der Ostsee aber auch anderer Meere und Ozeane grundsätzlich auf Schiffe - in diesem Zusammenhang reißerisch als Dreckschleuder bezeichnet - zurückzuführen ist. Doch das stimmt nicht.
Eine wirksame Bekämpfung dieses Problems - der Eutrophierung - ist nur in innerhalb einer Zusammenarbeit möglich. Der Bericht nennt vier Maßnahmen, die auf der Grundlage der Fallstudien basierend, dringend benötigt und vorgeschlagen werden. Diese äußerst spannende Lektüre, unter der Ägide von Mia Pihlajamäki únd Nina Tynkkynen (eds.) verfasst, steht unter diesem Link gebührenfrei zum Download bereit.

Maritimer Adventskalender 2011!

2011
12.02

2011 ist er wieder da: Der maritime Adventskalender / the maritime Advent calendar bei 4mare.com!

Diese Gelegenheit aufgreifend wünsche ich hiermit allen meinen Freunden, Geschäftspartnern, Verlagshäusern, Redaktionen und natürlich meinen verehrten Leserinnen und Lesern - an Land und auf See - frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2012!

Merry Christmas and a Happy New Year - Hyvää joulua ja onnellista uutta vuotta - Kamgan Ukudigaa - З Новым годам - E güeti Wïnâchte un e gleckichs Nej Johr - Glædelig jul og godt nytår - ᖁᕕᐊᓱᒡᕕᒻᒥ ᖁᕕᐊᓱᒋᑦ/ ᖁᕕᐊᓱᕝᕕᓯᐅᑦᓯᐊᕆᑦ ᐊᒻᒪ ᕿᑎᙳᒪᕆᒃ - Schöni Wienachte und e guets neus Jahr - Καλά Χριστούγεννα! - 明けましておめでとうございます - Joyeux Noël et bonne année - Feliz Natal e próspero ano novo - Rõõmsaid Jõulupühi - Gledhilig jól - 즐거운 성탄절 보내시고 새해 복 많이 받으세요 - God jol og godt nyttår - Geseende Kerfees - Glæd Geol and Gesælig Niw Gear - A Blythe Yule an a Guid Hogmanay - ᑯᕕᐊᓇᒃ ᐃᓄᕕᐊ - Maligayang pasko at manigong bagong taon - Wesołych świąt i szczęśliwego Nowego Roku - God jul och gott nytt år - สุขสันต์วันคริสต์มาส และสวัสดีปีใหม่ - Yeni yılınızı kutlar, sağlık ve başarılar dileriz - Veselé vánoce a šťastný nový rok

wish you
Leo

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Hochdotierte Auszeichnung für Prof. Dr. Antje Boetius!

2011
11.09

Kaum eine Pressemitteilung trägt in sich einen solch perfekten Mix aus Spannung und Faszination. Kaum eine bringt der Welt Infos von den Tiefsee-Outer-Rims. Kaum ein Mensch hat es so schnell so weit in der Wissenschaft gebracht. Diese fabelhafte Lektüre möchte ich unverändert weitergeben.

Hochdotierte Auszeichnung für Antje Boetius: Biologin erhält Fördergelder des Europäischen Forschungsrates, um die Bakterien im arktischen Meeresboden zu untersuchen.

Bremerhaven, 2. November 2011. Prof. Dr. Antje Boetius, Leiterin der Tiefsee-Forschungsgruppe am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft und Professorin für Geomikrobiologie an der Universität Bremen hat vom Europäischen Forschungsrat die Zusage über Fördergelder in Höhe von rund 3,4 Millionen Euro erhalten. Mit diesem Geld will die renommierte Bremer Biologin in den kommenden fünf Jahren den Meeresboden in der arktischen Tiefsee untersuchen und den Geheimnissen seiner rätselhaften Bakterienwelt auf die Spur kommen.

„Wir wissen seit langem, dass in jedem Gramm Schlamm aus der Tiefsee über eine Milliarde Bakterienzellen leben. Seit kurzem aber erst wissen wir, dass die selbe Menge Schlamm bis zu 10.000 Arten Mikroorganismen enthält, von denen die meisten unbekannt sind. Viele von ihnen sind wahre Hungerkünstler und können aus jedem noch so kleinen Algenrest, der in die Tiefe rieselt, Energie gewinnen und Biomasse aufbauen. Wie sie das allerdings machen, ist noch immer ein Rätsel und von großer Bedeutung für den globalen Kohlenstoffkreislauf, die geologischen Ablagerungsprozesse und die Vielfalt des Lebens am Meeresboden“, sagt Antje Boetius über ihr Forschungsfeld.

Foto: Prof. Dr. Antje Boetius, Leiterin der HGF-MPG Brückengruppe für Tiefseeökologie und Technologie am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft

Foto: Prof. Dr. Antje Boetius, Leiterin der HGF-MPG Brückengruppe für Tiefseeökologie und Technologie am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft / Antje Boetius, Alfred-Wegener-Institut

Die Wissenschaftlerin und ihre Kollegen vom Alfred-Wegener-Institut untersuchen seit Jahren am institutseigenen Tiefsee-Observatorium HAUSGARTEN in der Framstraße die Lebensgemeinschaften am arktischen Meeresgrund. Mit dem „Advanced Grant“ würdigt der Europäische Forschungsrat ihre Arbeit und gibt ihr die Chance, die winzigen Abfallverwerter im Meeres-Sediment noch detaillierter zu erforschen – vor allem mit neuen, innovativen Methoden: „Ich freue mich sehr über diese Förderung. Durch sie können wir zum Beispiel am HAUSGARTEN moderne Unter-Eis-Roboter in der Tiefsee einsetzen. Außerdem wollen wir mithilfe neuer molekularer Techniken nach unbekannten Bakterienarten suchen und verstehen was sie tun“, sagt die Wissenschaftlerin.

Foto: Mikrobiologin Antje Boetius at work: Bei der Entnahme von Sedimentproben / Antje Boetius, Alfred-Wegener-Institut

Foto: Mikrobiologin Antje Boetius at work: Bei der Entnahme von Sedimentproben / Antje Boetius, Alfred-Wegener-Institut

Ihr Forschungsprojekt, das vom Forschungsrat mit der Höchstsumme von rund 3,4 Millionen Euro gefördert wird, heißt „ABYSS – Assessment of bacterial life and matter cycling in deep-sea surface sediments“ und setzt auf die Kooperation verschiedener Forschungseinrichtungen. Antje Boetius: „Diese Auszeichnung erlaubt mir, mit einem Netzwerk fantastischer Wissenschaftler zusammenzuarbeiten.“ Zu ihnen zählen sowohl Forscher vom MARUM (Zentrum für Marine Umweltwissenschaften  an der Universität Bremen) als auch Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, von den Universitäten in Oldenburg, Wien, Kopenhagen sowie vom US-amerikanischen Meeresforschungsinstitut Woods Hole.

Der Start des wegweisenden Tiefseeforschungsprojektes ist für das kommende Jahr geplant. Ein Großteil der Untersuchungen wird Antje Boetius auf See und am Tiefsee-Observatorium des Alfred-Wegener-Instituts vornehmen. „Wir Forscher müssen immer noch zu den Bakterien hinabtauchen, denn die meisten lassen sich nicht im Labor kultivieren“, so die Wissenschaftlerin.

Nord Stream aufgedreht: Jetzt strömt das Gas!

2011
11.08

Die Bundeskanzlerin Merkel zitierend, ist die Erdgasleitung durch die Ostsee das größte Energieinfrastrukturprojekt unserer Zeit. Heute, am 08.11 gegen Mittag wurde die Pipeline von ihr und dem russischen Präsidenten Medwedjew aufgedreht. Bei der Prämiere in Lubmin bei Greifswald war sowohl der EU-Energiekommissar Günther Oettinger wie auch Vertreter des russisch-deutschen Nord-Stream-Konsortiums anwesend. Auf dem Betriebsgelände wurden zuvor Zelte um die Anlandestation aufgebaut, die der Form eines Erdgasmoleküls annahmen. Das hier vorhandene Ventil markiert das Ende des ersten Strangs, der insgesamt 1224 Kilometer langen und 7,4 Milliarden teuren Pipeline. Im Endausbau - zwei Stränge - soll die Leitung eine Kapazität von jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas erreichen. Rein rechnerisch können damit knapp 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

Foto: Sie lassen das Gas fließen...(*) / Nord Stream AG

Foto: Sie lassen das Gas fließen...(*) / Nord Stream AG

Russlands Vertreter hörten lobende Worte, Bundeskanzlerin Merkel bezeichnete bei der Eröffnung das Land als herausragenden Partner der EU, wenn es um die Energieversorgung geht. Weiterhin hieß es: Trotz aller Bemühungen zur Diversifizierung der Energiequellen blieben beide Seiten auf Jahrzehnte miteinander verbunden. Bei ihrer Rede betonte die Kanzlerin, Energiepartnerschaft mit Russland biete große Chancen: Es zeigt sich, dass die Wirtschaft in der Lage ist, komplexe Großprojekte auch im 21. Jahrhundert verantwortungsbewusst zu realisieren.

Foto: Gasmoleköl-Zelte  / Nord Stream AG

Foto: Gasmolekül-Zelte in Lubmin / Nord Stream AG

Kein Zweifel, die Fertigstellung des ersten Stranges ist eine bemerkenswerte Leistung: In nur anderthalb Jahren wurde die Pipeline fertig. Für ein Mammutprojekt dieser Größe ist es erstaunlich schnell. Merkel äußerste in ihrer Rede weiter, die berechtigten Interessen aller Ostsee-Anrainerstaaten wurden berücksichtigt. Zwar hört man in vereinzelten Ländern andere Kommentare, doch ihre Aussage ist eher ein rhetorisches Gejammer. Tatsache bleibt, die Unterwasser-Gasleitung ist der neue Ausdruck einer beispielhaften Kooperation zwischen Russland und der EU. Es lässt sich auch nicht leugnen, dass der westliche Abnehmer endlich nicht mehr für die Transitgebühren zahlen muss.

Foto: Ein Sicherheitsabsperrventil / Nord Stream AG

Foto: Ein Sicherheitsabsperrventil (**) / Nord Stream AG

EU-Energiekommissar Günther Oettinger betonte während der feierlichen Eröffnung, dass die Europäische Union neben russischen Erdgasquellen auch weitere erschließen wolle. Zu diesen zählen vor allem norwegische Vorkommen, doch Oettinger nannte auch Algerien, Katar und Zentralasien als weitere Quellen. Die Bedeutung der Ostsee-Pipeline wurde jedoch auch in seinen Worten hörbar: Die Nord-Stream-Trasse sei der wichtigste Schritt zum Aufbau eines paneuropäischen Transportnetzes.
Auf der anderen Seite hatte auch der russische Präsident Dmitri Medwedjew nicht mit Lob gespart. Das Projekt wurde von ihm als der wichtige Schritt zur Festigung der Beziehungen zur EU und zu Deutschland bezeichnet. Schon davor in Berlin lobte er am Dienstag die strategische Partnerschaft zwischen Russland und Deutschland.
Die 1224 Kilometer lange Gasleitung ermöglicht erstmals, dass russisches Erdgas direkt von Russland nach Deutschland und weiter nach Westeuropa fließt.

(*) Sie lassen das Gas fließen: Vorne von links nach rechts: François Fillon, französischer Premierminister; Bundeskanzlerin Angela Merkel; Mark Rutte, niederländischer Premierminister; Dmitrij Medwedew, Präsident der Russischen Föderation; und EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Zusammen drehen sie symbolisch den Gashahn des ersten Leitungsstrangs der Nord Stream-Pipeline auf.
Hinten von links nach rechts: Gérard Mestrallet, Vorsitzender und CEO der GDF SUEZ S.A.; Gerhard Schröder, Vorsitzender des Aktionärsausschusses und ehemaliger Bundeskanzler; Dr. Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender der E.ON AG; Alexei Miller, Vorstandsvorsitzender von OAO Gazprom; Dr. Kurt Bock, Vorstandsvorsitzender der BASF SE; Erwin Sellering, Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern.

(**) Der Großteil der verwendeten Ventile sind Absperrventile. Sie werden für Sicherheitszwecke eingesetzt: Bei einem Notfall unterbrechen sie sofort den Strom des Gases in der Pipeline. Alle Ventile wurden speziell für das Nord Stream-Projekt entwickelt.

The perfect storm: 20 jahre später…

2011
11.04

Vor genau 20 Jahren, am 4.11.1991, ging im Nordatlantik der Jahrhundertsturm zu Ende, der später - perfekt recherchiert - von Sebastian Junger in “Der Sturm” beschrieben wurde. Vielen ist auch der Film bekannt, der mit George Clooney und Mark Wahlberg  in den Hauptrollen, unter demselben Titel von Wolfgang Petersen gedreht wurde. Petersen bediente sich Jungers journalistischer Vorlage.
The 1991 Perfect Storm auch als Halloween Nor’easter of 1991 bekannt, entstand aus drei aufeinander prallenden Wetterfronten: des “sterbenden” Wirbelsturms Grace, eines weiteren Tiefdrucksystems, das gerade zu einem Wirbelsturm ansetzte und der gewaltigen Kaltluftfront, die von den Great Lakes herannahte. Diese drei Extremwettersysteme prallten nicht voneinander ab, sondern gingen einem weit größeren Gebilde auf.
Beim Film mag die Bezeichnung “perfekt” etwas reißerisch wirken, doch stammt diese nicht vom Regisseur sondern von den Meteorologen ab. In ihrem Sinne übernahm auch Junger das Wort und wählte es für den Titel seines Buches. In meteorologischen Sinne war der Sturm ein perfektes Gebilde, äußerst selten aufgrund der Entstehungsart und dennoch zutiefst erschreckend, was sein gewaltiges Potential anging. Viele der Wissenschaftler, die damals laufend die eingehenden Daten bearbeiteten, sagen heutzutage immer noch “schlimmer hätte es nicht werden können”.

Foto: eine Einheit der amerikanischen Küstenwache nähert sich während des Jahrhundertssturms der Yacht Satori / USCG

Foto: Eine Einheit der amerikanischen Küstenwache nähert sich während des Jahrhundertsturms der Yacht Satori, 75 Seemeilen südlich der Nantucket Island, 1991 / USCG

Wie entstehen solche Wetterphänomene? Die treibende Kraft dahinter sind die Jetstreams, die man bei uns auch als Strahlströme bezeichnet. Hierbei handelt es sich um Ströme kalter Höhenluft, die von der oberen Troposphäre bis hin zur Stratosphäre auftreten. Stürme, Kaltfronten, Tiefdruckrinnen, sie alle werden ab einem gewissen Punkt von den Höhenwinden - den Jetstreams - erwischt und gegen Osten getrieben. Typisch für die Jetstreams ist, dass sie nicht gleichmäßig wehen, sondern sich eher wie ein außer Kontrolle geratener Feuerwehrschlauch schlängeln. Solche Unregelmäßigkeiten können durchaus einen Wirbel bilden, der die Größe eines Kontinents hat. Im Nordatlantik entstehen diese im hohen Norden, über der Arktis. Es sind tiefe Kaltfronten, Antizyklone genannt, da die sie bildende Kaltluft von ihnen nach außen im Uhrzeigersinn fließt. An der vorderen Flanke dieser Systeme bilden sich Tiefdruckwellen, die gelegentlich zu einem Wirbelsturm werden. Wann genau und wodurch solche Stürme entstehen, was also als der zündende Funke für sie gilt, darüber scheiden sich noch die wissenschaftlichen Geister. Der Mensch weißt es einfach noch nicht. Was sicher ist, dass es sich meistens in den Gebieten ereignet, in denen Jetsreams mit den subtropischen Luftströmen zusammenstößen. In Nordamerika zählen zu diesen Regionen die Great Lakes, der Golfstrom vor Cape Hatteras und die südlichen Appallachen. Da die Luft um die Stürme in entgegengesetzter - gegen den Uhrzeigersinn - Richtung fließt, kommen sie immer von Nordost, soweit sich das System von der Küste entfernt. Dies brachte den Winden den Namen Nor’ easters. Wie heftig sie “zur Sache gehen”, wird jedoch anhand des umgangssprachlichen Namen sichtbar, mit dem sie von den Meteorologen bezeichnet werden: the bombs.
1991 schlug das Wetter gewaltig um. Die Datenbojen, die die Kanadier und Amerikaner zwischen Boston und den Grand Banks unterhalten, zeigten innerhalb einer Stunde zuerst ein Jollen-reifes Segelwetter, dann 7-11 Meter hohe Wellen mit Windgeschwindigkeit von 80 Knoten (das sind umgerechnet 140,16 km/h).
Bei diesem Sturm kamen insgesamt 13 Menschen ums Leben. Einer der es packte - obwohl er am Ende beinahe mit einem schrottreifen Schiff in den Hafen einlief - war der deutsche Kapitän Emil Feith, der auf der Brücke seiner “Svea Pacific” stand. Seine unglaubliche Geschichte kann heute im Buch “Orkanfahrt”, verfasst von Stefan Krücken, nachgelesen werden.
Männer an Bord der “Andrea Gail” - die in “Der Sturm” gezeigt werden - gehörten zu den Verschollenen. Sowohl das Buch von Junger wie der Film von Petersen erzählen auch die Story der Yacht “Satori”, deren Crew von der US Coast Guard gerettet wurde. Ihr Skipper, Ray Leonard, schnitt dabei nicht sonderlich gut ab (im Film heißt die Yacht allerdings “Mistral”). Bis heute bestreitet er, dass die Fahrt seiner Yacht richtig wiedergegeben wurde. Der Küstenwache wirft er vor, ihn dazu gezwungen zu haben, seine Yacht aufzugeben. Der Mann übergeht dabei die Tatsache, dass er “im Sturm” Alkohol trank und in den Zustand einer quasi Lethargie fiel, was zwei Frauen, die neben ihm an Bord waren und die sich dem Sturm nicht um jeden Preis und ohne eine aktive Rolle des Skippers stellen wollten dazu veranlasste, Hilfe einzufordern. Wie auch immer, im Nachhinein - am Leben - ist man meistens gerne der Held. Ohne die amerikanische Küstenwache wäre die Zahl der Verschollenen sicherlich größer. Die Schäden, die der Sturm verursachte wurden insgesamt auf 200 Millionen US-Dollar geschätzt.
4mare gedenkt heute all derer, die damals ihr Leben ließen, wie auch derer, die das eigene Leben in Gefahr brachten um andere zu retten. Im in den Tagen 28.10-1-11.1991 waren es vor allem die Crew der “Tamaroa”, eines Rettungskreuzers der US Coast Guard und zwei Rettungshubschrauber-Besatzungen. Eine der beiden Maschinen musste im Wasser notlanden, ein Besatzungsmitglied kam dabei ums Leben.

MV Rena verpestet Taurangas Strände

2011
10.13

Am 5. Oktober fuhr das Containerschiff MV Rena der griechischen Reederei Costamare Shipping Company SA bei voller Fahrt auf den Astrolabe Reef auf, ca. 10 Seemeilen vor Tauranga, Neuseeland. Zwei Laderäume des Schiffes wurden direkt überflutet, wie die neuseeländische Schifffahrtsbehörde mitteilte. Obwohl die Schlagseite der 236 Meter langen “Rena” zuerst nur zehn Grad betrug und ihre Lage für stabil erklärt wurde, überschlugen sich die Ereignisse in den nächsten Tagen. Momentan wird befürchtet, der Rumpf wird dem Druck nicht standhalten können und reißt auseinander. Ein riesiger Riss ist bereits in der Schiffswand zu sehen. Sollte es dazu kommen, steht Neuseeland vor der größten Ölverpestung ihrer Strände sein Jahrzehnten.

Foto: Gestrandete MV Rena vor Tauranga

Foto: Vor Tauranga gestrandete MV Rena

Der griechischer Frachter fuhr unter liberianischer Flagge, mit einer 23-köpfigen Besatzung an Bord.  Zuerst sollte das Schiff freigeschleppt werden. Doch dann, infolge des immer größeren Lecks, einer viel stärkeren Schlagseite entschied man sich dafür, das Öl abzupumpen, so lange die Lage es noch erlaubte. Mittlerweile ist der ganze vordere Bereich des Schiffes überflutet und die Lage im Inneren zu gefährlich, als dass man dort noch hätte arbeiten können, teilte der neuseeländische Verkehrsminister Steven Joyce mit. Man geht davon aus, in den Tanks des Schiffes befinden sich noch ca. 700 Tonnen Schweröl. Die gefährliche Arbeit des Bergungsteams wird permanent vom Wetter unterbrochen.

Foto: Gestrandete MV Rena vor Tauranga

Foto: Vor Tauranga gestrandete MV Rena

Inzwischen sind die ersten Ölplacken auf Stränden vor Tauranga angetroffen. Mittlerweile helfen hunderte von Freiwilligen beim Säubern der Strände. Es wird von ersten toten Tieren gesprochen. Das Recovery Center in Te Maunga fängt Vögel - überwiegend sind es Mornellregenpfeifer - an ihren Nistplätzen in der Umgebung der Stadt, um sie zu verlegen. Alle Strände von Mount Manganui zu Maketu wurden mittlerweile für die Öffentlichkeit geschlossen.

Die Behörden vor Ort reden von grober Fahrlässigkeit. Die Seefahrergewerkschaft - Maritime Union New Zealand - spricht davon, dass schon vor der Havarie auf der “Rena” mehrere Probleme benannt wurden. Diese Mängel wurden von den Behörden bei einer früheren Inspektion des Schiffes festgestellt. Kurz vor der Havarie, am 28. September, bei einer anderen Überprüfung sei auch das Kartenmaterial des Schiffes bemängelt worden. Die Gewerkschaft ist der Meinung, dies sei einer der Hauptgründe für das Desaster. Die Reederei wies die Mängelvorwürfe zurück, doch immer mehr Indizien sprechen dafür, dass die neuseeländischen Behörden Recht haben. Der Kapitän und der erste Offizier wurden bereits festgenommen und erst nach der Zahlung einer Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Gestern erschienen beide zum ersten Mal vor dem Gericht in Tauranga. Möglicherweise werden jetzt die ersten unangenehmen Details bekannt: der 44-jährige Kapitän - ein Philippino - hatte am Tag der Havarie seinen Geburtstag. Ob schon am frühen Morgen gefeiert wurde, darüber wollten die neuseeländischen Behörden keine Auskunft geben. Das Gerichtsgebäude wurde von der Polizei umstellt, da man Handgreiflichkeiten vermeiden wollte. Der nächste Gerichtstermin wurde auf den 18.10 festgelegt. Beide Offiziere mussten ihre Pässe der Polizei abgeben, wohnen an einer unbekannten Adresse und müssen jeden Tag bei der örtlichen Polizeiwache persönlich erscheinen. Es besteht Fluchtgefahr.

Die vorläufigen Kosten des Kampfes gegen die drohende Ölpest werden auf 12,1 Millionen Dollar geschätzt. Bis heute verlor MV Rena außer dem permanent austretendem Schweröl 88 Container, einer davon mit gefährlichem Gut. An den Stränden wurden bereits über 50 Tonnen feste und flüssige Abfälle gesammelt. Zwei Schiffe suchen vor der Bucht nach weiteren Containern, die anderen Schiffen zur Verhängnis werden könnten.

DOT`s Aussichten: globales Offshore in den nächsten 10 Jahren

2011
10.12

In New Orlean findet immer noch - vom 11. bis zum 13. Oktober 2011 - zum 30. Mal die DOT statt: Deep Offshore Technology International Conference & Exhibition. DOT bat Marcel Negherbon, einen Energie-Analysten, der für Douglas-Westwood tätig ist, dem breiteren Publikum seine Vision der nächsten 10 Jahre im Offshore Bereich zu präsentieren.
Ihm zufolge sehen Zukunftsperspektiven der nächsten Dekade positiv aus. Die Branche wird sich durchaus neuen Herausforderungen stellen müssen, gleichzeitig werden weiterhin sehr reale Risikos vorhanden sein, mit denen sie rechnen muss. Negherbon machte keinen Hehl daraus, dass die laufende Entwicklung vieler Volkswirtschaften die Erdölnachfrage rapide steigen  und damit direkten Einfluss auf die Offshore-Projekte nehmen wird. Um diesen Bedarf zu decken, wird die Produktion angehoben werden müssen. Dieser Aufgabe stellen sich vor allem die Staaten, die nicht innerhalb der OECD-Gruppe agieren. Gerade die kommende Dekade bringt neue Marktverteilung, was Erdölversorgung angeht, und zwar, zugunsten der wachsenden Märkte in Nicht-OECD-Ländern.

Foto: Deepsea Delta in der Petschorasee / Gazprom

Foto: Deepsea Delta in der Petschorasee / Gazprom

Einer seiner interessantesten Aussagen - und sicherlich elektrisierendsten -war, die Welt habe den sogenannten Peak Oil noch nicht erreicht. Dennoch wird die künftige Erdölversorgung weit schwieriger zu realisieren sein als bisher. Erstens sind neue Vorkommen schwieriger zu lokalisieren, zweitens ist ihr Abbau und damit die Erdölproduktion kostenintensiver. Negherbon betonte, den Analysen seines Unternehmens zufolge wird der weltweite  Erdölverbrauch voraussichtlich um 2,5% bis 2,8% pro Jahr steigen. Dieses Wachstum der Erdölnachfrage bedeutet vor allem neue Chancen für den Tiefseeabbau. Negherbon zeigte, dass alleine die letzten vier Jahre beim Abbau-Personal für 67% Zuwachs sorgten, das sind ca. 120.000 neue Arbeitsplätze. Die jüngste Rezession verpasste zwar dieser Entwicklung einen kleinen Rückschlag, doch die Beschäftigung auf den Plattformen nahm alleine in diesem Jahr um weitere 12% zu.
Auch die sogenannten subsea tree installaions erholten sich inzwischen von der letzten Krise, ihre Zahl wird sich bis 2015 verdoppeln, die ersten Neuanschaffungen gehen bereits 2012 online. Der Markt wird voraussichtlich Investitionen im Wert von 231 Milliarden USD bewegen. 85 Milliarden davon werden alleine die Bohrkosten betragen. Negherbon splitterte die restlichen Tiefseeausgaben - die er als das “Goldene Dreieck” nannte - in folgende Bereiche:

  • - Tiefseeausrüstung: 70 Milliarden USD
  • - Produktions- und Lagerschiffe (floating production structures / FPS): 37 Milliarden USD
  • - Offshore-Pipelines 39 Milliarden USD

FPS nehmen zuerst - 2012 - etwas ab, doch ab der Mitte der kommenden Dekade wird es jedes Jahr ca. 25 bis 30 neue Anlagen geben. Für FPS werden bis 2015 voraussichtlich 20 Milliarden USD ausgegeben, für schwimmende Flüssigerdgasanlagen - floating liquefied natural gas / FLNG - 22 Milliarden USD. Die FLNG-Einheiten werden grundsätzlich in Australien eingesetzt werden, gefolgt von Lateinamerika, Asien und Nordamerika.

Als künftige potenzielle Risikofaktoren nannte Negherbon weitere Rezessionen, vor allem China könnte hier für Unruhe sorgen, weiterhin mögliche politische Instabilität in den rohstoffreichen Ländern, großindustrielle Unfälle a la Deepwater Horizon sowie Engpässe in der Lieferkette.
Bloß die Nachfrage wird keine Bremsmanöver erfahren, “The demand will be there”, mit diesen Worten schloss Negherbon seinen Vortrag ab.

Start ins neue Jahr auf großer Fahrt?

2011
09.19

Mitte September ist man in Gedanken womöglich doch “hier und jetzt”. Gerade, da der Herbst viel sonniger ausfällt als es der Sommer war. Dennoch ist es angebracht, die Silvester-Pläne langsam zu schmieden. Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben.
Stena Line denkt schon jetzt an die Frühzünder. Der Jahreswechsel auf großer Fahrt ist ganz sicher ein unvergessliches Erlebnis der besonderen Art. Damit es an Bord nicht langweilig wird, wird beste Unterhaltung nicht nur geplant sondern gar garantiert! Delikates Essen, edle Tropfen - an der Vinothek - und selbstverständlich Tanzen bei Live-Musik bis in die tiefe Nacht oder den frühen Morgen, je nachdem, wie man(n)/Frau es nennen will. Zusätzlich wird der Silvester-Minitrip mit einem Aufenthalt in Göteborg bereichert. Der 2011/12-Cruise startet am Freitag, den 30. Dezember um 15 Uhr in Kiel und dauert bis zum Neujahrsmorgen um 10 Uhr an.

Stena Line hat auch an Land für Spannung gesorgt. In Göteborg, am letzten Tag des Jahres, gibt es ein 4-stündiges Landprogramm inklusive Stadtrundfahrt und Mittagsimbiss. Das Göteborger Höhenfeuerwerk läutet um 17 Uhr in - hoffen wir - imposanter Farbenpracht den Silvesterabend ein, der nicht weniger farbenfroh auf der Stena Scandinavica fortgesetzt wird.
Kulinarisch soll der Jahreswechsel auch zu einem besonderen Gaumentrip werden: An Bord sind zwei Frühstücksbüfetts und ein Silvesterbuffet mit vielen original schwedischen Delikatessen im Programm. Ein Festmenü im À la carte-Restaurant ist - für einen Aufpreis - buchbar. Die Kabinen können - wie es schon immer der Fall war - je nach Gusto und Geldbeutel ausgewählt werden.

Foto: Silvester an Bord der Stena Scandinavica / www.StenaLine.de

Foto: Silvester an Bord der Stena Scandinavica / www.StenaLine.de

Die Ostsee an diesem besonderen Tag wird sicherlich auch auf der Seite der Reisenden sein. Schließlich wird das Neujahr auch am Hofe Poseidons gefeiert. Zumindest bilde ich mir das ein. Wer in dieser Nacht bei gemäßigter Temperatur Sternen schauen will, sollte sich für die Skylight-Deluxe-Kabine mit Dachfenster gen Himmel entscheiden. Die sorgt für Deep-Space-Stimmung. Ob sich auch Käpt`n Picard dafür begeistern könnte? Aber sicher doch!

Bangkok at night…

2011
09.13

Einmal mehr landete ich in der Stadt der Engel. Bangkok ist nicht nur umwerfend schön, vor allem ist es faszinierend, eine Art Virus, man hat ihn oder nicht. Dies führt dazu, dass selbst ein guter Drink weniger bedeutet denn die Aussicht, das beste Foto des Abends zu schießen.
Ich bin weiterhin der Meinung, dass Grafik- und Szenarien-Designer, die das Aussehen der Städte - vor allem Coruscant - in den letzten drei Star-Wars-Filmen entwarfen, in der Stadt am Chao Phraya waren. Bangkok ist ein Planet.
Ein Thema muss maritim sein, wenn auch nicht unbedingt nach Salzwasser riechend, wenn es auf 4mare erwähnt wird. Meine Abwesenheit, die zurecht von manchen Kommentatoren auf der Seite als eine Reise-bedingte gedeutet wurde, führte mich dieses Mal auf dem River Kwai zu der berühmten Brücke.
Bald mehr darüber; fürs Heute bedanke ich mich für Ihre Geduld in letzter Zeit mit einem Blauer-Stunde-Blick auf die magische Stadt.

Foto: Bangkok, die Stadt am Chao Phraya Strom / Leo Walotek-Scheidegger

Foto: Bangkok, die Stadt am Chao Phraya Strom / Leo Walotek-Scheidegger

Basis der Piraterie soll in Somalia bekämpft werden

2011
08.24

Während die Bundesregierung derzeit einen Einsatz privater Sicherheitskräfte - auf Handelsschiffen, die die gefährdete Region durchkreuzen -  prüfen lässt, wird das Thema endlich ernsthaft von Politikern angesprochen. Sehr deutlich äußerte sich hierzu Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Als erster Politiker machte er klar, dass die Basis der Piraterie gegen Handelsschiffe in Somalia bekämpft werden soll: Die sicherste und beste Methode, Piraterie zu bekämpfen, ist die zur See agierenden Kriminellen und ihre Hintermänner auf dem Land, insbesondere in Somalia, auszutrocknen. Gleichzeitig sollte dafür gesorgt werden, dass dort wieder stabile politische Verhältnisse entstehen. Diese Worte fielen beim Tag der offenen Tür während der Bundespressekonferenz in Berlin.
Hintermänner am Land auszutrocknen
könnte durchaus bedeuten, dass die führenden Köpfe mithilfe eines Sonderkommandos aus dem Verkehr gezogen und später - möglicherweise in Somalia selbst - vors Gericht gestellt werden. Verlässt man sich jedoch von vorn nur auf die zur Zeit korrupten somalischen Behörden, wird nicht viel passieren.

Friedrich wollte sich gleichzeitig zum Einsatz privater Sicherheitskräfte nicht festlegen. Die Politik sei im Gespräch mit den Reedern, doch die internationale Gemeinschaft muss mit allen Mitteln dafür sorgen, dass in den Rückzugsländern der Piraten staatliche Strukturen und Behörden zur Strafverfolgung entstehen - sagte der Bundesinnenminister - Nur so kann diese Form der organisierten Kriminalität ausgetrocknet werden. Der Minister betonte, es sei sinnvoll, “auf jedes Schiff unmittelbar bewaffnete Kräfte zu bringen”. Diese Aussage ist äußerst wertvoll, denn viele Reeder schützen gerade auf diese Art ihre Schiffe. Offen wird die Maßnahme jedoch verneint, da sie in den meisten Medien verpönt ist und ungerechterweise harsche Kritik auf Reeder zieht.
Das größte Problem in der mit den Reedern geführten Diskussion scheint die Tatsache, dass viele Schiffe, die deutschen Unternehmen gehörten, gleichzeitig ausgeflaggt sind. Das heißt, sie fahren nicht unter der deutschen Flagge. Die Prüfung verschiedener Optionen, die der Minister erwähnte, kann durchaus heißen, dass auf den ausgeflaggten Schiffen private Sicherheitskräfte eingesetzt werden sollten. Momentan gibt es knapp 450 Schiffe, die unter deutscher Flagge unterwegs sind. Die gesamte deutsche Handelsflotte besteht aus ca. 3.600 Schiffen. Viele davon fahren regelmäßig durch die von den Piraten gefährdeten Gewässer.

Der entführte Tanker MV Fairchem Bogey / www.gcaptain.com

Foto: Piraterie geht weiter - der am 20. August entführte Tanker MV Fairchem Bogey / www.gcaptain.com

Auch der niedersächsische Innenminister, Uwe Schünemann, fordert die Bundesregierung auf, den Kampf gegen die somalische Piraterie entschiedener zu führen und die deutsche Präsenz zu verstärken. Das momentane Engagement der Deutschen Marine reicht nicht aus. Hier sollte wesentlich mehr geschehen, so sprach sich der CDU-Politiker in der regionalen Presse aus. Das aktuelle Bundestagsmandat für den Anti-Terror-Einsatz erlaubt die Entsendung von bis zu 1.400 Soldaten, momentan sind jedoch daran 268 vor Ort beteiligt. Schünemann meinte, wenn Deutschland sich in der libyschen Frage heraushalte, sollte es die Kapazitäten zum Schutz der deutschen Handelsflotte im vollen Umfang nutzen.
All diese Aussagen und Forderungen Berlin gegenüber stimmen. Wenn die Bundesregierung mehr internationales Engagement einfordert, sollte sie nicht gleichzeitig vor konkreten Aufgaben zurückschrecken. Selbst, wenn ein Teil des erpressten Lösegeldern in den Händen der Piraten und ihrer Hintermänner bleibt, wird ein gehöriger Anteil den radikalen Islamisten in Somalia zugefügt. Dies sollte auf jeden Fall verhindert werden.
Gleichzeitig ist es sinnvoll, deutsche Firmen an der Bewachung teilnehmen zu lassen, da sich ihre Mitarbeiter aus gut ausgebildeten Grenzschutz-, Polizei- und Bundeswehreinheiten rekrutieren. In Großbritannien und den USA werden oft erfahrene Söldner angeheuert, was das Ganze wenig transparent erscheinen lässt. Viele der heutzutage in Großbritannien agierenden Unternehmen in diesem Marktsegment entstammen einigen einflussreichen privaten Militärunternehmen, die in den 90gern in Südafrika gegründet wurden. Damals nahmen sie erfolgreich an mehreren Konflikten auf dem Schwarzen Kontinent teil. Die Aufträge wurden ihnen von privaten Unternehmen vergeben und in ihrem Namen geführt, meistens ging es um Diamant-Schürfrechte, Gas- und Erdölabbau.